Gedanken zur Hundeausbildung

Braucht es ein weiteres Hunde Erziehungsbuch?
Ich glaube nicht.

Kein Hundetrainer hat das Rad neu erfunden, alles wurde schon mal gesagt oder geschrieben, erläutert und diskutiert.

Meine Gedanken beschäftigen sich mehr mit dem Mensch, dem zukünftigen Hundeführer, dem Anfänger.

Warum gibt es dann immer noch so viel schlecht ausgebildete Hunde und Hundeführer?

Sind die Hundetrainer so schlecht oder die Hundehalter so blöd?

Weder noch.

Unsere Gesellschaft hat ein System der Ausbildung gewählt, das auf eine Mehrheit setzt: Sie gibt sich zufrieden, wenn Dreiviertel es einigermaßen schaffen – der Rest muss halt schauen wo er bleibt. Damit man nicht völlig  abgehängt wird, schießen Nachhilfe-Unternehmen in sämtlichen Bereichen wie Pilze aus dem Boden. Eigentlich sollte man dieses System einmal grundsätzlich hinterfragen, was aber nicht meine Aufgabe sein soll.

Da wir aber alle dieses System auf die eine oder andere Weise durchlaufen haben, sind wir davon geprägt. Das Lernen in Hundeschulen ist aber leider auch so angelegt: vermeintlich schneller Erfolg durch massentauglich ausgerichtetes Training.

Technik: Sitz, Platz, Komm usw… Das braucht schließlich jeder – reicht doch auch, oder? Gibt’s da überhaupt noch was?
Oh ja! Eine ganze Menge. Dazu später.

Die Hundehalter haben am Anfang oft eine ganz bestimmte Vorstellung vom Ergebnis: Der Hund sollte am Ende zumindest etwas davon können. Wenn das Sitz, Platz und Komm nicht ganz so gut klappt, ist es auch o.k.

Der Hundehalter nimmt also oft bereits von Anfang an in Kauf, das er Abstriche machen wird, und man möchte schon möglichst schnell ein Ergebnis sehen. Soweit so gut.

Die Hundeschule möchte den Kunden natürlich auch möglichst lange bei der Stange halten – auch gut.

Aber leider bleibt alles andere Auf der Strecke, was Hundeausbildung ausmacht.

Zeit, Wissen, Kommunikation, Vertrauen, Harmonie und Konsequenz… Alles ganz wichtige Positionen die jeder versteht, aber die wenigsten erfassen deren tatsächliche Bedeutung.

Sobald wir den Pfad der technischen Ausbildung verlassen, bewegen wir uns auf dünnem Eis.

Wenn wir uns mit der Persönlichkeit des Hundeführers auseinander setzen, sind wir schon in dessen Garten und zertrampeln unter Umständen seine schönen Blumen – was meist keine Begeisterung auslöst!

Was bleibt also übrig, wenn man bei der Hundeausbildung niemandem zu Nahe treten möchte? Trainer drücken dem Hundehalter einen Haufen Futter in die Hand. Jetzt schmeißt dieser seinen Hund mit Futter fast tot und siehe da, der Hund macht Sitz und Platz und kommt manchmal sogar zurück. Der Hundehalter hat ein Erfolgserlebnis (kurzfristig) und der Trainer ist zufrieden weil es der Kunde auch ist. Ziel erreicht.

Der Kunde verabschiedet sich und der Trainer versucht ihm noch zu erklären, dass das Futter wieder abgebaut werden muss.Das sieht der Hundehalter jedoch nicht so, schließlich scheint er den Hund über das Futter halbwegs dressieren zu können und jede weitere Ausbildungsstunde kostet schließlich Geld.

Zugegeben, es ist natürlich verkürzt und überspitzt dargestellt, aber sehr oft läuft es genau so ab.

Auch ich als Trainer muss Kompromisse machen. Wenn ich etwa im Welpenkurs mit dem frisch gebackenen Hundebesitzer nur über Kommunikation sprechen oder lehren würde, würden die Leute davon laufen weil sie die Tragweite noch gar nicht einschätzen können.

Wenn man individuelles Training abhalten möchte, muss man den Kunden davon überzeugen auch etwas mehr dafür zu bezahlen, wie bei jeder anderer Dienstleistung auch. Aber ich glaube nicht, dass der Preis das Haupthindernis ist, sondern die Einstellung des Hundhalters.

Die meisten zukünftigen Hundeführer nehmen vor allem gerne das Gruppenangebot an. Oft ist dies sogar bereits die erste Frage! Die Hundeschulen haben natürlich auch ein Interesse daran

Gruppen von zehn und mehr Leuten zu unterrichten, da es natürlich lukrativer ist. Absolut verständlich. Aber was bewegt die Kunden diese Art des Unterrichts zu bevorzugen? Das System das sie kennen. In einer Masse kann man sich verstecken, man fällt nicht auf, muss nicht im Mittelpunkt stehen, es ist vielleicht sogar lustig, man hat Gleichgesinnte und Verbündete, man ist anonymer und somit ist es nicht so anstrengend.

Jeder kann sich selbst ausrechnen, wie viel Zeit dem Trainer für den Einzelnen in Gruppenstunden bleibt.

Der Hund hat heute auch eine große soziale Bedeutung, die es vor fünfzig Jahren in dieser Form noch nicht so ausgeprägt gab. Ob für Singles oder alte Menschen, für die Kinder oder damit man einen Grund für den täglichen Spaziergang hat. All diese Gründe mögen legitim sein, aber es setzt voraus, das man sich auf ein Leben mit einem Tier einlässt. Ein Tier, das ein komplett anderes Weltbild hat als der Mensch und nicht in der Lage ist unser Weltbild zu verstehen.

Nicht jeder der einen Hund hat, verfügt aber über die Fähigkeiten die es ermöglichen, einen Hund zu führen. Nicht jeder ist ein Anführer und nun soll ich als Trainer einen Anführer machen!

Jetzt beginnen die eigentlichen Probleme der Ausbildung.

Aber warum ist das denn so wichtig? Weil ein Erwachsener Hund ca. zwanzig Sekunden braucht um Ihre komplette Persönlichkeit zu erfassen und sich Ihnen gegenüber auch so verhält. Er wird jede Ihrer Schwächen ausnützen, die ihm zum Vorteil gereichen. Der Hund ist ein absoluter Egoist, dem sie nicht mit Moral kommen können oder mit „das musst du doch verstehen, dass du das nicht machen sollst!“ Was ich ausdrücken möchte ist: Ich muss wissen mit wem ich es zu tun habe, sollte ich eine gute Beziehung anstreben.

Ich habe fünf Kategorien erkannt, auf die ich immer wieder treffe.

Der Kümmerer, der Diskutierer, der Freund, der General und der Liebende.

Eine Person kann auch mehrere dieser Kategorien erfüllen.

Damit keine Missverständnisse auftreten – ich werte nicht ob das gute oder schlechte Eigenschaften sind. Was ich mache ist neutral zu analysieren um die richtigen Schritte einzuleiten. Wenn sich aber jemand möglichst nicht mit sich selbst beschäftigt und sich wenig im Spiegel betrachtet um an seiner Persönlichkeit zu arbeiten, wird er große Probleme bekommen. Nicht mit mir, sondern mit seinem Hund. Ich bin nur der Dolmetscher, der Überbringer der Nachricht.

Der Kümmerer:
Nimmt dem Hund möglichst alle Probleme ab oder versucht sie für ihn zu lösen. Er orientiert sich am Hund und lässt ihm seinen Willen.

Der Diskutierter:
Versucht den Hund zu überzeugen, das er es doch nur gut meint und appelliert an seine Einsicht und unterstellt dem Hund Moral. Gern wird in ganzen Sätzen mit dem Hund gesprochen und sein Verhalten wird immer ausführlich gerechtfertigt.

Der Freund:        
Möchte sich mit dem Hund auf eine Stufe stellen und alles brüderlich teilen. Auf keinen Fall den Chef raushängen lassen.

Der General:       
Will von Anfang an Befehle erteilen, da er ja schließlich automatisch die Position des Anführers einnimmt (von Gott gegeben).

Der Liebende:   
Will einfach nur von seinem Hund geliebt werden, möchte was zum Knuddeln. Er erfüllt ihm jeden Wunsch. Darf auch im Bett schlafen und bekommt natürlich auch was von seinem Essen und füttert vom Tisch. Er vermenschlicht den Hund, mit der Begründung „wenn ich ihm all meine Liebe schenke, liebt er mich zurück!“.

Aus der Sicht des Menschen mögen mache dieser Verhaltensweisen durchaus ehrenwert erscheinen, aber nicht aus der Sicht des Hundes.

Der Hund ist ein soziales, intelligentes Tier, aber er weiß nicht was ehrenwert ist, er versteht kein moralisches Verhalten, er denkt nicht an die Zukunft und findet einen Menschen nicht gut, weil dieser besonders großzügig ist. Die Vergangenheit hat ihn geprägt aber er reflektiert sie nicht wie ein Mensch es tut. Er lebt im Hier und Jetzt und orientiert sich an anderen Merkmalen wenn es darum geht, was einen guten Anführer ausmacht.

Ihm ist unser Kontostand egal und welchen Status wir in der Arbeit haben, welches Auto wir fahren und welche Kleidung wir tragen. Selbst ein Doktortitel lässt ihn völlig kalt – Einen Hund kann ich damit nicht beeindrucken!

Wie beweise ich mich also dem Hund gegenüber und bringe ihn dazu, mir zu folgen, wenn auf einmal alles nichts mehr gilt, was man als Mensch gelernt hat?

Wir Menschen haben im Laufe der Zeit zwei Sprachen hervorgebracht:

Die verbale Sprache und die Körpersprache.

Wir können damit einem anderen Menschen aber etwas völlig anderes sagen, als wir mit unserer Körpersprache ausdrücken.

Das tun wir leider unbewusst ziemlich oft, schließlich müssen wir gesellschaftliche Normen erfüllen. Höflich sein, zuvorkommend, dankbar, nett, freundlich, hilfsbereit usw.

So haben wir zum Beispiel gelernt, zu lächeln, auch wenn uns überhaupt nicht danach zu Mute ist. Es fällt uns nicht einmal allzu schwer.Diese Wiedersprüche sind für einen Hund nicht zu verstehen, denn er achtet vor Allem auf Körpersprache.

Er folgt nur der ehrlichen, souveränen Führung – in letzter Konsequenz sogar völlig wortlos.

Wir müssen unsere Art der Kommunikation also erst einmal analysieren und überdenken, wenn wir erfolgreich mit einem Hund kommunizieren möchten.

Das macht deutlich, um was es also in erster Linie geht beim sogenannten Hundetraining: nämlich um den Menschen!

Dabei ist das Hilfsmittel Futter eben nur ein Hilfsmittel – der Hund ist schließlich mehr als ein verfressenes Tier, das man stumpf abfüttern kann um sich damit dessen Zuneigung zu erkaufen.

Vielmehr stellt er uns vor die großartige Aufgabe, uns einmal auf elementare Mechanismen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge einzulassen:

Mit einem Kind das noch nicht sprechen kann, werden sie keine Diskussion führen. Genau so wenig werden sie es zulassen, das ein Kind die heiße Herdplatte anfasst weil es das gerade ausprobieren möchte. In diesem Alter treffen die Eltern die Entscheidung für das Kind.

Aber irgendwann müssen sie mit dem Kind diskutieren, genau so wie es irgendwann selbstständig Entscheidungen treffen darf.

Diese zweite Ebene werden Sie mit einem Hund aber nie erreichen.

Der Hund denkt in schwarz – weiß, dick – dünn, ja – nein, nicht im Vielleicht.

Deshalb müssen Sie nur entscheiden: Führen Sie oder der Hund?

Die wichtigste Aufgabe eines Führers ist es, Entscheidungen zu treffen.

Damit haben die meisten Anfänger Probleme, da das Wissen noch fehlt und sie unsicher sind. Die Krux an der Sache ist, dass der Hundeführer am Anfang Lehrer und Lehrling gleichzeitig ist. Er muss seinen Hund ausbilden, mit einem Wissen das er sich im gleichen Augenblick aneignet.

Wie man dieses Kunststück vollbringt, lernen sie am Besten bei uns im Einzelunterricht. Meine Kollegin Katharina Schaer und ich werden Sie gerne dabei unterstützen.

Wenn Sie also lernen wollen wie ein Hund zu denken, erfordert dies Durchhaltewillen. Der größte Fehler bei den meisten Anfängern besteht dabei in der Zielsetzung: Sie setzen ihre Ziele kurzfristig zu hoch und langfristig zu niedrig an.

Die vielen Zentimeter machen den Meter!

Der Welpenkurs ist der Kindergarten, der Junghundekurs die Schule dann hat der Hund eine sehr gute Basis und ist nach diesen Ausbildungsschritten ca. ein Jahr alt. Um einen gut ausgebildeten Familien Hund zu haben, benötigen sie ca. zwei Jahre. In dieser Zeit lernen sie immer mehr wie ein Hund zu denken und somit auch den Hund zu verstehen.

So wird am Ende die Harmonie zwischen Hund und Hundeführer erreicht, die man sich wünscht um gemeinsam in den „Sonnenuntergang zu Reiten“.